post

Geheime Formulierung entschlüsselt:
Die Zeugnissprache im Arbeitszeugnis

Was bedeutet eigentlich stets im Arbeitszeugnis? Und kann man mit soliden Fachwissen oder durch hohes Engagement beim zukünftigen Arbeitgeber punkten? Oder sollte man eher auf ‘zur vollen Zufriedenheit’ setzen?

In Arbeitszeugnissen werden verschiedene Techniken angewendet um Noten zu verschlüsseln und viele werden von Arbeitsgerichten erlaubt oder sogar gefördert.

Die Steigerungstechnik - einmal die Notenskala raufklettern

Die Verschlüsselungstechnik von Arbeitszeugnissen folgt der Logik der Abstufung: Wird nur ihr solides Fachwissen oder Ihr Engagement erwähnt entspricht das der Note 3. Kann dagegen einmal etwas positives gesagt werden, etwa dass Sie ‘immer engagiert’ sind oder über ein ‘sehr solides Fachwissen’ verfügen wird eine Notenstufe rauf gezählt: Sie erhalten eine 2.

Bestnoten werden entsprechend dadurch vergeben, dass die höchsten Steigerungen und die Dauerhaftigkeit oder Breite Ihrer Leistungen und Fähigkeiten betont wird: ‘immer höchst engagiert’ oder ‘umfangreiches und äußerst fundiertes Fachwissen’. Natürlich gibt es für jede Formulierung verschiedene Varianten. Ihr ‘solides Fachwissen’ kann auch einfach nur als ‘Fachkenntnis’ auftauchen oder Ihnen wird bescheinigt ein ‘fachkompetenter Mitarbeiter’ zu sein. An der Note 3 ändert sich dadurch allerdings nichts.

Was bedeutet also stets im Arbeitszeugnis? Es ist wie ‘immer’ oder ‘sehr’ eine Steigerung, die ihre Note anheben kann. Aber vorsicht: Ihre Note ist nur dann gesichert, wenn auch passende Steigerungen verwendet werden. Häufiger Fehler unerfahrener oder achtloser Zeugnisschreiber ist die falsche Anwendung der Regeln: jedesmal wenn ein Bewertungskriterium erwähnt wird, muss auch eine passende Bewertung gesetzt werden, sonst nimmt der Leser wegen fehlenden Lobs schlechte Leistungen an. Ihr ‘besonders fundiertes Fachwissen’ sollte daher möglichst auch als ‘breit’, ‘vielseitig’ oder ‘umfangreich’ bezeichnet werden, wenn es eine Höchstnote sein soll.

Bewertungskriterien sollten dabei eins sein: einheitlich. Werden widersprüchliche Benotungen gegeben verlieren gute Noten an Bedeutung und der Leser geht von einer insgesamt sehr schlechten Beurteilung aus.

Das untere Ende der Skala

Die vernichtendste Kritik ist noch immer die Leerstelle: bleibt ein wichtiges Kriterium unerwähnt denkt sich der zukünftige Arbeitgeber, dass der Zeugnisschreiber lieber schweigt, bevor er gegen den gesetzlichen Wohlwollensgrundsatz verstößt.

Andererseits können auch kleinere Satzteile wegfallen, die eine genauso große Wirkung haben: Sind Sie ‘beliebt und geachtet’, aber Ihr Verhalten im Betrieb bleibt unerwähnt oder Sie haben ein ‘stets gutes Verhältnis zu Kollegen’ aber anscheinend nicht zu ihren Vorgesetzten, dann werden hier ganz klare negative Bewertungen vergeben. Gerade in diesen Auslassungsfällen haben Sie Anspruch auf eine sofortige Änderung.

Gerade bei schlechten Bewertungen haben Sie Anspruch auf eine sofortige Änderung der Formulierung Ihres Zeugnisses, die von Arbeitsgerichten regelmäßig bestätigt wird.

Andere typische negativ Techniken sind das Hervorheben von Nebensächlichkeiten, oft Pünktlichkeit, oder eine Abwandlung der Steigerungstechnik. Sollten Sie statt ‘immer äußerste Motivation’ zu zeigen stattdessen ‘in der Regel auch Motivation’ zeigen, dann sind Sie auf der Skala weit nach unten gerutscht.

Auch ‘Interesse für organisierte Arbeitsweisen’ oder ‘Verständnis für neue Ideen’ platzieren Ihr Arbeitszeugnis im untersten Leistungsbereich, da von Ihnen gesagt wird, dass sie Fähigkeiten und Ideen nur bei anderen gespannt beobachten statt Sie selbst einzusetzen.

Codes im Arbeitszeugnis

Obwohl der größte Teil verschlüsselter Nachrichten nach § 109 (2) der Gewerbeordnung unzulässig ist - die Benotung als offenes Geheimnis nicht mitgezählt - sind immer noch verbotene Codes im Umlauf.

Besonders sind auf formale Fehler in der Unterschrift und im Briefkopf zu achten. Ein Strich neben der Unterschrift heißt, dass eine unzulässige Auskunft über eine Betriebsratstätigkeit geben wird, während unnötige Leerzeichen im Briefkopf eine starke Warnung vor schlechter Leistung darstellt.

Die meisten Codes sind jedoch in der Wortwahl und Wortstellung der Bewertung selbst versteckt. Beispielsweise bescheinigt die von der üblichen Formulierung der Arbeitsmotivation und des Engagements abweichende Formulierung ‘überzeugte mit Fleiß und Pünktlichkeit’ nicht nur mangelnde Arbeitsergebnisse, sondern stellt auch Ihre fachliche Eignung in Frage.

Viele versteckte Codes enthalten Informationen, die gesetzlich verboten sind. Diese Codes müssen vom Arbeitgeber, ob absichtlich oder versehentlich gesetzt, sofort korrigiert werden.

Andere typische Codes beziehen sich auf das soziale Verhalten und können auf Schwierigkeiten mit den Vorgesetzten, allzu lange Privatgespräche, ein fehlende Durchsetzungskraft gegenüber dem eigenen Team oder den Kunden und eine arrogante oder nörgelnde Persönlichkeit hinweisen. Diese Angaben verstoßen nicht nur gegen den Wohlwollensgrundsatz, sondern auch gegen die gesetzlich geforderte Klarheit von Arbeitszeugnissen.

Enthält auch Ihr Arbeitszeugnis verbotene Geheimcodes?

Sie wollen sich Gewissheit über Ihre Noten verschaffen oder sichergehen, dass Ihr Arbeitgeber kein 'Abschiedsgeschenk' versteckt hat? Dann prüfen Sie jetzt, ob Ihr Arbeitszeugnis sicher für die nächste Bewerbung ist! Einfach Zeugnis hochladen und in wenigen Sekunden wissen Sie, was Ihr Arbeitgeber wirklich über Sie denkt.

Hier geht's zur Analyse